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Wenn Marketing-Kampagnen schief laufen (und man es nicht merkt)

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In den letzten Tagen habe ich in einem Online-Shop etwas gekauft und bei einem Händler für gebrauchte Medien ein paar Bücher verkauft. Hätten diese beiden Anbieter ein gutes Marketing, bekäme ich nun über die verschiedenen Plattformen Werbung angezeigt, die mir zielgerichtet weitere Angebote macht, z.B. ähnliche oder verwandte Artikel zu kaufen. Beide Anbieter haben aber ein Kampagnen-Marketing, wie es falscher nicht sein könnte. Und kurze Zeit später zeigt ein Luftfahrt-Unternehmen, dass es diesen Fehler auch machen kann…

Der Online-Shop lässt Werbung für exakt die Artikel einblenden, die ich gerade gekauft habe. Er blendet praktisch meinen alten Warenkorb als Werbung ein. Natürlich kenne ich nicht das Verhalten der Kunden dieses Shops, aber es ist doch eher unwahrscheinlich, dass jemand, der sich gerade ein neues Auto gekauft hat, das gleiche fix noch einmal bestellt!?

Update: Ein Luftfahrt-Unternehmen zeigt mir heute, dass dieser Fehler anderen auch passieren kann. Nach einem per Telefon gebuchten Flug bekam ich nach weniger als einer Minute Werbung für Flüge angezeigt. Respekt, das ist nicht nur inhaltlich präzise, die Geschwindigkeit ist wirklich beeindruckend! Aber halt: Was bietet man mir denn da an? Genau: exakt die Verbindung, die ich gerade gebucht habe. Sicher, hier kann man annehmen, dass ich diese Verbindung noch häufiger nehmen werden. Trotzdem würde ich aber doch vermuten, dass Werbung für etwas gerade gekauftes nicht ganz den Sinn von Werbung erfüllt. (Wenn doch, wäre es schön, wenn mich jemand aufklären könnte.)

Noch dümmer läuft es beim Gebrauchtmedien-Händler. Dort bekomme ich über die Werbung exakt die Titel zum Kauf angeboten, die ich gerade an ihn verkauft habe! Eigentlich wäre das mal ein schönes Experiment, wenn wir die Bücher jetzt immer hin- und herschicken würden: Wie würden sich wohl Kauf- und Verkaufspreise entwickeln? Vermutlich freut sich nur das Paket-Unternehmen darüber.

Der Erfolg dieser beiden Marketing-Kampagnen dürfte gegen Null gehen. Und ich wette, niemand kontrolliert, wie diese Kampagnen laufen: Woher die Visits für die Shops kommen und wie hoch der Anteil der über die Werbung zustande gekommenen Conversions ist.

Natürlich hab ich mal kurz unter die Haube geschaut: Einer der beiden nutzt scheinbar gar kein Tool wie Analytics, auf der Homepage des Tools, das auf der anderen Website scheinbar verwendet wird, meldet Chrome ein Sicherheitsproblem. Wie gesagt: Ich hab nur ganz kurz drüber geschaut und kann mich irren. Einen guten ersten Eindruck hinterlässt sowas aber nicht und egal wie berechtigt dieser Eindruck ist, förderlich für eine hohe Conversion-Rate ist das bestimmt nicht.

Fehler passieren, aber ohne Kontrolle bemerkt man sie nicht und dann kann man das Geld besser für anderes ausgeben als für unsinnige Kampagnen.

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